Trauer

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Trauer ist die natürliche Reaktion auf einen subjektiv bedeutsamen Verlust. Sie dient der Bewältigung von Verlusterfahrungen und wird von der Art und Enge der Beziehung, die die Betroffenen mit der verstorbenen Person verbunden hat, bestimmt. Die Dauer von Trauer ist individuell sehr verschieden und hat kein definiertes Ende. Charakteristisch ist jedoch die mehr oder wenig stetige Abnahme des Trauerschmerzes und der damit verbundenen Intensität der erlebten Emotionen.

Definitionen

Zu dem Begriff Trauer gibt es zahlreiche Definitionsversuche. Hier einige Beispiele:

"Trauer ist regelmäßig die Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person (...)" (Freud, 1917)

"Trauer ist die normale Reaktion auf einen bedeutenden Verlust. Trauer ist keine Krankheit, keine Katastrophe, keine Fehlfunktion und kein Zeichen von psychischer oder charakterlicher Schwäche, sondern ein normaler, gesunder und psychohygienisch notwendiger Prozess der Verarbeitung von einschneidenden Verlusten und Veränderungen. ( Lammer, 2004, S.9-10)

"Hinterbliebenentrauer wird heute als aktives Geschehen interpretiert, und Trauernde werden als (autopoietisch) Lernende begriffen, die die Verantwortung für ihr Weiterleben und ihr Handeln nach dem Verlust übernehmen. Trauer umfasst die ganze (leibliche, psychische, soziale, spirituelle, geistige, biographische, geschichtliche und kulturelle) Wirklichkeit des Menschen. Ob und wie ein Mensch mit einem Verlust weiterlebt, wird durch ein Wechselspiel von Individuum und (kleiner – familiärer, sozialer, kirchengemeindlicher – und großer – kultureller, nationaler, ethnischer, religiös-konfessioneller) Umwelt (Interdependenz!) beeinflusst. Einigkeit besteht in der Forschung darüber, dass sich keine zeitlichen Aussagen über die Dauer der Trauer machen lassen." (Lamp & Smith, 2004, S.1142)

Erscheinungsformen von Trauer

So unterschiedlich das Trauererleben ist, so unterschiedlich sind die Erscheinungsformen von Trauer. Diese betreffen das körperliche Wohlbefinden ebenso wie das mentale; das Verhalten gleichermaßen wie das Denken. Dabei ist das eine nicht klar vom anderen zu trennen, denn Gedanken beeinflussen Emotionen, körperliche Reaktionen führen zu bestimmten Handlungen, lösen Gefühle aus, die wiederum Gedanken nach sich ziehen usw.

Trauerreaktionen auf emotionaler Ebene sind: Schmerz, Kummer, Empfinden von emotionaler Leere, Sehnsucht, Angst, Panik, Schuldgefühle, Liebe, Wut, aber auch Erleichterung und Dankbarkeit.

Trauerreaktionen auf körperlicher Ebene sind: Kraftlosigkeit, Überempfindlichkeit, körperliche Schmerzen, Schlafstörungen, Herz-Kreislaufstörungen, Verdauungsbeschwerden.

Trauerreaktionen auf Verhaltensebene sind: Weinen, Schreien, Sprechen über die verstorbene Person, Erstarrung, innere Ruhelosigkeit, überaktives Verhalten, Desorganisation, feindseliges Verhalten, sozialer Rückzug, mechanisches Funktionieren, Meidungsverhalten, erhöhter Alkohol-, Nikotin- oder Medikamentenkonsum.

Trauerreaktionen auf kognitiver Ebene sind: Anhaltendes Grübeln, z. B. über die Todesumstände oder den Sinn des Lebens, die Suche nach Schuld, Gedankenleere, Gedankenrasen, Verleugnung, Halluzinationen, vermindertes Selbstwertgefühl, aber auch positive Gedanken, Überzeugungen und Bewertungen. Diese können sich beispielsweise auf die gewandelte aber fortdauernde Bindung zum Verstorbenen beziehen, oder auf die Einschätzung der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten, die eigene Identität, Zukunftsgestaltung und Spiritualität.

Trauer in der Theorie

Zum Verlauf und der Bewältigung von Trauer gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Modelle und Theorien. Die bekanntesten Modelle sind dabei wohl die Phasenmodelle und Traueraufgabenmodelle. Weitere Modelle sind z.B. das Modell der fortgesetzten Bindungen – Continuing Bonds – und das Duale Prozessmodell der Trauer (DPM). Theoretische Betrachtungsweisen von Trauer gibt es z.B. aus Sicht der Bindungstheorie oder aus Sicht sozial - konstruktivistischer Ansätze.

Weiterführendes

Vortragsmodule - Trauer

Was ist Trauer - Text

Was ist Trauer - Folien

Weblinks