Totenschein

Aus Wiki: Tod - Bestattung - Trauer
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der jeweiligen Hausarzt oder aber ein Dienst habender Arzt stellen den Totenschein (auch Todesbescheinigung oder Leichenschauschein genannt) aus. Bei einem Todesfall in einem Heim oder Krankenhaus kümmern sich die dortigen Ärzte darum oder die Verwaltung beauftragt einen Arzt.

Der Arzt beurkundet mit dem Totenschein den Tod eines Menschen. Nach gründlicher Untersuchung des Verstorbenen werden die Personalien und Zeitpunkt und Ort des Todes festgehalten. Dazu vermerkt der Arzt - wenn möglich - eine Todesursache und die Todesart, also ob es sich um einen natürlichen oder unnatürlichen Tod handelt. Für den Totenschein werden Gebühren fällig, die sich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) richten. Die Rechnung erhalten Hinterbliebene meist über den Bestatter.

Mit dem Totenschein muss beim Standesamt die Sterbeurkunde beantragt werden, möglichst in mindestens fünffacher Ausführung. Die Sterbeurkunde ist zum Beispiel wichtig für die Friedhofsverwaltung bei der Wahl des Grabes oder für die Testamentseröffnung.

Frage der Kosten (GOÄ)

Für das Ausstellen von Todesbescheinigungen erstellt der Arzt eine Privatrechnung nach der amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Diese Vorgehensweise klingt eindeutig, die Vorgaben scheinen klar. Doch in der Praxis sind die Rechnungen der Ärzte häufig unterschiedlich hoch. Das führt schnell zu Missverständnissen und Verärgerung unter den Beteiligten.

Hauptstreitpunkt sind die Positionen der vom Arzt erstellten Abrechnung. Folgende Positionen sind üblich: Ziffer 100 (Todesfeststellung) und § 8 Wegegeld. Hinzu kommen jedoch Zuschläge bezüglich des Tages der Leistung (Wochentag oder Wochenende) und der Uhrzeit der Leistung (tagsüber, abends oder nachts).

Die Hauptleistung des Arztes im Rahmen der Feststellung des Todes einer Person ist in der genannten Ziffer 100 mit "Untersuchung eines Toten einschließlich Feststellung des Todes und Ausstellung des Leichenschauscheines" umschrieben. Der Gebührensatz beträgt (alle Angaben zu Kosten Stand 2010) 14,57 Euro. Die Höhe der tatsächlich anzusetzenden Gebühr ermittelt sich durch Multiplikation mit einem Faktor zwischen 1,0 und 3,5, wobei eine Überschreitung des Faktors 2,3 durch besondere Umstände gerechtfertigt sein muss. Damit gibt sich ein Rahmen zwischen 14,57 Euro und 33,51 Euro, höchstens jedoch bis 51,00 Euro.

Bei der Höhe des Wegegeldes nach § 8 GOÄ gelten mehrere Entfernungsstufen und es gibt einen Nachtzuschlag (20:00 bis 8:00 Uhr). Das Wegegeld beträgt bei bis zu zwei Kilometern Entfernung 3,58 Euro, (nachts 7,16 Euro), bei mehr als zwei Kilometern bis zu fünf Kilometern 6,65 Euro (nachts 10,23 Euro), bei mehr als fünf Kilometern bis zu zehn Kilometern 10,23 Euro (nachts 15,34 Euro) und bei mehr als zehn Kilometern bis zu 25 Kilometern 15,34 Euro (nachts 25,56 Euro). Hieraus ergibt sich ein Kostenrahmen von genau 18,15 Euro bis 60,07 Euro (maximal: 76,56 Euro).

Mitunter rechnen Ärzte aber eine weitere Gebührenpositionen ab, nämlich Ziffer 50 der GOÄ. Diese Gebührenposition soll den Aufwand anlässlich eines Besuchs, einschließlich Beratung und symptombezogener Untersuchung, abgelten. Diese Besuchsgebühr eröffnet einen Gebührenrahmen von 18,65 Euro bis 42,90 Euro (max. 65,28 Euro). Dies ist jedoch nur in Ausnahmefällen zulässig. Der Hauptanwendungsfall wäre hier, dass der Arzt zu einem sterbenden Patienten gerufen wird und bei Ankunft vor Ort nur noch den Tod feststellen kann. Die mit Ziffer 50 abgerechneten Leistungen (Hausbesuch, Beratungsgespräch und symptomatische Untersuchung) wären jedoch Leistungen an einem Lebenden, die gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung abzurechnen sind. Sie sollten also nicht in die Kosten für den Leichenschauschein einfließen.

Dies ist im übrigen auch Ansicht der Bundesärztekammer, wie sie sich einer Mitteilung im Deutschen Ärzteblatt vom 22.06.2001 entnehmen lässt: "Die Beschlussempfehlung, wonach neben der Leichenschau und dem hierfür abrechenbaren Wegegeld die Besuchsgebühr regelhaft abrechnungsfähig ist, ist deshalb revidiert worden. Wenngleich mit der Gebühr nach der Nr. 100 GOÄ und dem berechenbaren Wegegeld die ärztliche Tätigkeit nicht umfassend bewertet ist, sprechen juristische Gründe dafür, vom regelhaften Ansatz der Besuchsgebühr abzusehen."

Ließe man eine Abrechnung der Ziffer 50 zu, so hätte dies zur Folge, dass weitere Zuschläge erhoben werden könnten, nämlich nach den Buchstaben E, F, G, H, J oder K2 der GOÄ. Diese Zuschläge beziehen sich ausdrücklich nur auf Leistungen nach dem Abschnitt IV der Grundleistungen nach GOÄ.

Auch das Ausfüllen des Totenscheins als schriftlichen Krankheitsbefund nach Ziffer 75 GOÄ abzurechnen, ist nicht erlaubt. Der festgestellte Tod ist keine Krankheit, über die ein Befund ausgestellt wird.

Weblinks