Krematorium

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Verbrennung eines Sarges

Die Einäscherung von Leichen ist nur in diesen behördlich genehmigten Anlagen zulässig. auch Feuerbestattungsanlagen genannt, zulässig.

Begriff

Das Wort Krematorium leitet sich vom lateinischen Verb „cremare“ her, das „verbrennen“ bedeutet.

Technisches

Kremationsprozess

Im Krematorium wird der Leichnam mineralisiert. Mineralisierung bedeutet der Abbau von organischen zu anorganischen Stoffen. Dies geschieht im Krematoriom durch Oxidation des Leichnams. Dieser Oxidationsprozess wird durch die Selbstentzündung des Sarges aufgrund der im Ofen herrschenden Hitze in Gang gesetzt und durch Luftzufuhr fortgeführt.

Ofenarten

Knochenmühle

Es existieren im Wesentlichen zwei Ofenarten:

1. Der Flachbettofen

Im Flachbettofen liegt die Leiche bzw. die Asche während des gesamten Einäscherungsprozesses in einer Hauptbrennkammer (Muffel).

2. Der Etagenofen

Im Etagenofen wird der Leichnam in der oberen Kammer verbrannt, die Mineralisierung der Knochen findet in der zweiten Etage statt.

Bei beiden Ofenarten verbleiben nach dem Oxidationsprozess (der Verbrennung) im Ofen noch größere, zerbrechliche Knochenteile, die in einer Knochenmühle klein gerieben werden. Danach wird die Asche in die Aschekapsel gefüllt.

Rechtliches

Mit dem Feuerbestattungsgesetz von 1934 wurde die Feuerbestattung der Erdbestattung im Wesentlichen gleich gestellt. Dieses Gesetz hatte bis in die jüngste Vergangenheit noch in einigen Bundesländern als Landesrecht weiter gewirkt.

Privatisierung

In den meisten Bundesländern können auch Privatpersonen bzw. Unternehmen Träger von Krematorien sein. Nur in Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind Privatpersonen als Träger grundsätzlich ausgeschlossen. In Rheinland- Pfalz sind zumindest sogenannte Feuerbestattungsvereine theoretisch als Träger zugelassen. In den übrigen Ländern sind bei Vorliegen der Genehmigungsvoraussetzung (insbesondere die Voraussetzungen zur Erteilung einer Baugenehmigung und regelmäßig die Einhaltung der Voraussetzungen nach der Bundesimissionsschutzverordnung) müssen die entsprechenden Genehmigungen überall erteilt werden, außer in Nordrhein-Westfalen und Berlin. In letzteren Bundesländern sind die Friedhofsträger dann nur berechtigt, aber nicht verpflichtet den Privaten das Betreiben eines Krematoriums zu überlassen.1

Baugenehmigung

Lange Zeit war streitig, ob ein Krematorium mit Abschiedsraum in einem Gewerbegebiet zulässig ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat dazu am 02.02.2012 unter dem Aktenzeichen 4 C 14.10 grundsätzlich entschieden: Zwar könne ein solches Krematorium eine Anlage für kulturelle Zwecke im Sinne des § 8 III Nr. 2 BauNVO darstellen, allerdings handele es sich um einen Friedhöfen vergleichbaren Ort der Ruhe, des Friedens und des Gedenkens an die Verstorbenen. Dies vertrage sich nicht mit der Zweckbestimmung eines Gewerbegebietes, welches von "werktätiger Geschäftigkeit" geprägt sei.

Geschichte/ Entwicklung

Mit dem ersten Krematorium 1878 in Gotha wurde die Feuerbestattung in Deutschland wieder eingeführt, 1934 mit dem [Feuerbestattungsgesetz] der Erdbestattung rechtlich gleichgestellt.2 1993 soll es 113, 11 Jahre später 119 Krematorien, im Jahr 2004 wohl 146 und 2012 mindestens 160 gegeben haben bzw. geben. 3 Aufgrund dieser rasanten Entwicklung ist ein starker Wettbewerb zwischen Krematorien entstanden.

Fußnoten

  1. vgl. Gaedke, Jürgen; Diefenbach, Joachim: Handbuch des Friedhofs- und Bestattungsrechts. 10. Auflage Köln: Wolters Kluwer, 2010. - ISBN 978-3-452-27095-5 - S.246f
  2. Zentralinstitut für Seprulkalkultur (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur: Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Teilband III Frankfurt: Fachhochschulverlag, 2010. - ISBN 978-3-940087-67-6 - S.132
  3. wie vor; http://entwicklung1.aeternitas.de/krematorien_online (22.11.2012)