Grabmalpatenschaft

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Über eine Patenschaft können Grabstätten übernommen werden, die heutzutage in dieser Ausführung nicht mehr angeboten werden. Oftmals liegen diese Grabstätten in besonders begehrenswerten Lagen, mit weiteren Gräbern von berühmten Persönlichkeiten oder Grabmalen mit musealem Charakter in der Nachbarschaft.

Historische Grabstätten

Der Bestand an erhaltenswerten, kulturhistorisch interessanten Grabstätten ist immens. Die finanziellen Mittel sind jedoch derart gering, dass die Friedhöfe kaum in der Lage sind, die notwendigen Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen durchzuführen und die Instandhaltung historischer Grabstätten zu gewährleisten. Immer mehr Friedhöfe setzen daher auf die Hilfe kultur- und kunsthistorisch interessierter Menschen, die im Gegenzug das Nutzungsrecht für ein einzigartiges Grabmal erhalten.

Patenschaftsgräber

Patenschaftsgräber sind schützenswerte Grabstätten, die vielfach unter Denkmalschutz stehen und für die kein Nutzungsrecht mehr besteht. Als schützenswert gelten Grabstätten unterschiedlichster Art. Dazu gehören nicht nur die aufwendig und künstlerisch gestalteten, sondern auch kleinere mit besonderer geschichtlicher Bedeutung, wie Seltenheitswert und zeittypischer Gestaltung.

Weitere Kriterien sind die künstlerische Bedeutung, die handwerkliche Ausführung oder die Ikonografie des Grabmals, sowie die wissenschaftliche Bedeutung der Verwendung bestimmter Materialien. Vielfach sind diese Grabstätten mit ihren vielfältigen Aufbauten und Bepflanzungen hochrangige Zeugnisse der Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte einer Region und ihrer Friedhofskultur. Sie erzählen von berühmten Künstlern, von historischen Ereignissen oder Familiengeschichten.

Grabmalpatenschaft - Übernahme

Grabmal auf dem Frankfurter Hauptfriedhof

Bei der Übernahme einer Grabmalpatenschaft wird eine Vereinbarung zwischen dem Friedhofsträger und dem Paten geschlossen. Die Patenschaftsvereinbarung enthält die jeweiligen Rechte und Pflichten der beiden Parteien. Der Erhalt eines Nutzungsrechts ist hierbei nicht zwingend notwendig, wird aber von den meisten Friedhofsträgern im Rahmen der Grabmalpatenschaft mit angeboten. Je nach Vereinbarung wird dem Paten das Nutzungsrecht ohne weitere Kosten zugesprochen, oder es muss gemäß der Friedhofsgebührenordnung erstanden werden.

Oftmals ist durch die Übernahme der Grabstätte auch eine Änderung der ursprünglichen Nutzung möglich. So kann aus einem ehemaligen Familiengrab eine Gemeinschaftsgrabanlage entstehen, oder bei einem Erdgrab besteht die Möglichkeit der Urnenbestattung. Die Größe der Grabstätte mit ihrer zukünftigen Belegungszahl, die spätere Beisetzungsart und die Nutzungsdauer gilt es, mit dem Friedhofsträger abzuklären.

Die Restaurierung der Grabanlage ist nach Absprache und durch einen Fachbetrieb vorzunehmen. Einfache Säuberungs- und Pflegearbeiten können meist durch den Paten selbst vorgenommen werden.

Bei der eigenen späteren Nutzung der Grabanlage ist die Möglichkeit zum Anbringen des Namens und der Daten des Verstorbenen von Grabmal zu Grabmal unterschiedlich. Bei Stelen besteht oftmals die Option die Stele zu drehen und die Schrift auf der ehemaligen Rückseite anzubringen. Des Weiteren können Schriften abgeschliffen und durch neue im Stil der alten ersetzt, oder eine separate Grabplatte angebracht werden. Hier gib es vielerlei Möglichkeiten, die auch wieder mit dem jeweiligen Friedhofsträger abzusprechen sind.

Bei der Erhaltung eines unter Denkmalschutz stehenden Grabmals können oftmals steuerliche Vergünstigungen in Anspruch genommen werden, über die das zuständige Denkmalschutzamt Auskunft geben kann.

Grabmalpatenschaft - Modelle

Um eine Patenschaft für eine historische Grabstätte übernehmen zu können, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Generell ist eine Patenschaftsvergabe nur möglich, wenn für die zu erhaltene Grabstätte kein Nutzungsrecht mehr besteht. Mit der Übernahme der Patenschaft übernimmt der Pate die Verpflichtung, die historische Grabstätte auf seine Kosten zu restaurieren und in Stand zu halten. Teilweise schließt diese Vereinbarung auch eine, der Grabanlage zeitgemäße, Instandsetzung der gärtnerischen Anlagen mit ein.

Bei einer denkmalgeschützten Anlage findet eine enge Zusammenarbeit mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde statt. Diese spricht mit dem Paten ab, welche Auflagen und Restaurierungsmaßnahmen im Sinne des Denkmalschutzes erfüllt werden müssen. Im Gegenzug für seinen Einsatz erhält der Pate auf Wunsch ein Nutzungsrecht an dieser Grabstätte. Je nach Friedhof kann dieses Nutzungsrecht gebührenfrei sein.

Eine weitere Möglichkeit ist die Übernahme der Kosten eines bereits durch den Friedhof restaurierten Grabdenkmals. Auch hier kann der Pate dadurch ein Nutzungsrecht an der Grabstätte erhalten.

Die Vergabe der Patenschaft kann an Privatpersonen oder Gemeinschaften, wie z.B. Vereine erfolgen. Auf dem Alten St. Matthäus - Friedhof in Berlin übernahm beispielsweise der Verein "Denk mal positHIV" eine Patenschaft über ein denkmalgeschütztes Grabmal. Die heutige Nutzung ist eine Gemeinschaftsgrabanlage für Erd- und Urnenbestattungen von Menschen, die an Aids verstorben sind.

Grabmalpatenschaft - Kosten

Eine wichtige Frage, die sich die Interessenten stellen ist, welche Kosten bei der Übernahme einer Grabmalpatenschaft entstehen. Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, aber am Beispiel des Frankfurter Hauptfriedhofs sieht man, wie viel durch eigenes Engagement und durch regen Austausch und gegenseitige Hilfe innerhalb der Gemeinschaft der Grabmalpaten mit relativ geringem Kostenaufwand zu erreichen ist. Dort hat sich innerhalb der letzten Jahre eine aktive Gruppe gebildet, die dem Verfall der schützenswerten Grabmale ihres Friedhofs nicht länger zusehen wollte. In Eigeninitiative säubern sie die Grabmale, befreien die Anlagen von Unkraut, bepflanzen sie neu und kümmern sich um die Standsicherheit der Grabmale. Soweit möglich, wird dies mit einfachen Mitteln, wie Wurzelbürste und handelsüblichen Steinpflegemitteln bewerkstelligt; bei größeren Problemen gibt es einige Steinmetze und Friedhofsgärtner vor Ort, die fachmännisch helfen. Auch wenn hier nicht stets die komplette Restauration erfolgt, so wird der weitere Verfall des Grabmals vielfach aufgehalten und die Grabanlagen schön und wieder repräsentativ hergerichtet. Geht man über den Frankfurter Hauptfriedhof, so stechen die von Grabpaten betreuten Gräber, deutlich heraus.

Die Möglichkeit, Grabanlagen weitgehend in Eigeninitiative zu betreuen, gibt es nicht auf jedem Friedhof. Diese gilt es mit der jeweiligen Friedhofsverwaltung abzuklären. Aber auch auf Friedhöfen, auf denen eine Restaurierung des zu erhaltenen Grabmals durch einen Fachbetrieb vorgeschrieben ist, lässt sich der restaurierte Zustand der Anlage durch regelmäßige Säuberung und Pflege langfristig erhalten.