Gemeinschaftsgrab

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Gemeinschaftsgrab mit Namensplatten (Leipzig)
Landschaftsgräberfeld "Mein letzter Garten" (Karlsruhe)
Gemeinschaftsgrab in historischer Grabstätte (Saarbrücken)

In einem Gemeinschaftsgrab werden mehrere Urnen (selten auch Särge) in einer einheitlich gestalteten Anlage beigesetzt. Gewöhnlich übernimmt die Friedhofsverwaltung oder übernehmen Friedhofsgärtner die Grabpflege im Rahmen eines Pakets aus Grab, Grabmal, Bepflanzung und Pflege. Die Kosten werden mit den Grabnutzungsgebühren erhoben. Dies ist wegen der enthaltenen Kosten für die Pflege häufig im Gesamtpaket günstiger als ein individuelles Einzelgrab.

Die Namen der Verstorbenen werden entweder einzeln an der jeweiligen Grabstelle (zum Beispiel auf einzelnen Grabplatten) oder an einem gemeinsamen Grabmal (häufig Stelen, oft mit Namensplaketten) verewigt. Persönlichen Blumenschmuck kann häufig an den einzelnen Grabstätten abgelegt werden, manchmal auch an gemeinsamen für die Ablage vorgesehenen Plätzen. Oft handelt es sich um gärtnerisch gestaltete Neuanlagen, aber es ist auch möglich, historische Gräber, die ansonsten dem Verfall preisgegeben wären, als Gemeinschaftsgrab zu nutzen.

Andere Gemeinschaftsgrabanlagen gleichen eher einem Park, wie zum Beispiel das Landschaftsgräberfeld "Mein letzter Garten" in Karlsruhe. Auch die bundesweit acht Memoriam-Gärten (Stand April 2012), die in den letzten Jahren unter der Regie von Friedhofsgärtnern unter anderem in Berlin, Bonn und Duisburg angelegt wurden, erscheinen als parkartige Gartenlandschaften.

Üblicherweise stehen Gemeinschaftsgräber allen Friedhofsnutzern offen. Es gibt aber auch Anlagen, die von Freundeskreisen, Vereinen oder anderen soziale Gemeinschaften eingerichtet wurden.

Manchmal schafft neben der Gestaltung ein Motto oder ein gemeinsamer Name wie "Garten der Frauen" oder "Schmetterlingsgrabfeld" eine verbindende Sinndeutung. Gemeinschaftsgräber können damit eine Gesinnung oder ein Gefühl verkörpern und Gemeinschaft abbilden. In diese Kategorie fällt auch ein Grabfeld in Hamburg, das speziell auf die Bedürfnisse von Fans des Fußballclubs Hamburger Sport-Verein zugeschnitten ist (Grabreihen angeordnet wie Zuschauerränge, Bepflanzung in Vereinsfarben etc.).

Da sich traditionelle Familienstrukturen zunehmend auflösen, die Grabpflege dadurch immer schwieriger wird und sich aber dennoch viele Menschen weiterhin ein gepflegtes Grab wünschen, wurden Gemeinschaftsgräber seit der Jahrtausendwende immer beliebter. Reiner Sörries, Professor für Theologie und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal e.V. (AFD) aus Kassel, hat prophezeit: „Zu den wichtigsten Grabstättenformen der Zukunft werden sich die Gemeinschaftsgrabstätten entwickeln.“ Für die Friedhofsnutzer bilden Gemeinschaftsgräber häufig eine attraktive Alternative zum pflegeaufwendigen Einzelgrab auf der einen und zum - zwar pflegefreien, aber eben namenlosen - anonymen Grab auf der anderen Seite.

Friedhofsverwaltungen können mit Gemeinschaftsgrabanlagen sinkenden Gebühreneinnahmen entgegensteuern, die aus dem Trend weg vom Einzelgrab und hin zu günstigen und anonymen Gräbern resultieren. Auch können nicht mehr benötigte, aber weiterhin Pflegekosten verursachende Überhangflächen so sinnvoll genutzt werden. "Gemeinschaftsgräber verbinden ein attraktives Angebot mit effizienter Flächennutzung und akzeptablen Gebühreneinnahmen“, wie Christoph Keldenich, Geschäftsführer der Verbraucherinitiative Aeternitas sagt.

Weiterführendes

Weblinks