Friedhofszwang

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Unter Friedhofszwang (auch Friedhofspflicht genannt) versteht man, dass die Beisetzung von Verstorbenenen (sowohl bei der Erd- als auch bei der Feuerbestattung) auf einem eigens diesem Zweck gewidmeten Grundstück (öffentliche Friedhöfe, kommunale oder kirchliche) zu geschehen hat. Diese Grundregel gibt es in allen Bundesländern und ist dort in den jeweiligen Bestattungsgesetzen festgelegt. Ein Verstoß dagegen stellt eine landesrechtlich geregelte Ordnungswidrigkeit dar. Der Friedhofszwang steht in engem Zusammenhang mit dem Bestattungszwang (auch Bestattungspflicht genannt), ist aber nicht identisch damit1.

Das Bundesland Bremen hat zum 01. Januar 2015 den Friedhofszwang gelockert. Dort ist das Ausstreuen oder Beisetzen der Totenasche außerhalb von Friedhöfen (auch auf Privatgrundstücken) erlaubt und dabei an folgende Bedingungen geknüpft: Verstorbene (nur Bremer Bürger) müssen zu Lebzeiten schriftlich verfügt haben, an welchem Ort das Ausstreuen der Asche gewünscht wird. Außerdem muss eine Person zur Totenfürsorge benannt werden, die beim Ausstreuen einen pietätvollen Rahmen sicherstellt. Beim Ausstreuen auf privatem Grund dürfen benachbarte Grundstücke nicht beeinträchtigt werden und die Beisetzung nicht gegen Entgelt erfolgen. Darüber hinaus muss der Eigentümer des betreffenden Grundstücks mit der Beisetzung einverstanden sein. Die öffentlichen Flächen außerhalb von Friedhöfen, auf denen Totenasche verstreut werden darf, werden von der Gemeinde ausgewiesen.

Eine für alle Verstorbenen mögliche Ausnahme vom Friedhofszwang in Deutschland stellt die Seebestattung dar. Die immer populäreren Baumbestattungen in speziellen Bestattungswäldern hingegen gelten nicht als Ausnahmen vom Friedhofszwang, da die entsprechenden Areale rechtlich als Friedhofsflächen ausgewiesen sind.

Einige deutsche Landesbestattungsgesetze erlauben unter bestimmten Umständen Aschebeisetzungen auf privatem Grund als Ausnahmen vom Friedhofszwang für Totenasche. Die Regelungen sind allerdings so restriktiv gefasst, dass sie in der Praxis nur eine marginale Rolle spielen.

Diskussion um den Friedhofszwang

Über den Friedhofszwang für Urnen wird immer wieder diskutiert, von vielen wird er in Frage gestellt und seine Lockerung oder Abschaffung gefordert.2 Die höchstrichterliche Rechtssprechung in Deutschland hat bisher jedoch festgestellt, "dass die allgemeine Handlungsfreiheit des Bürgers (Art.2 Abs.1 GG) durch den Friedhofszwang in zulässiger Weise eingeschränkt wird"3 und den Bundesländern die Entscheidungsbefugnis überlassen. Als Gründe werden unter anderem angeführt: "die Wahrung der Totenruhe, das sittliche Gefühl weiter Bevölkerungskreise sowie Bau- und Verkehrsplanung" 4.

In den meisten anderen europäischen Staaten besteht kein Friedhofszwang für Urnen bzw. die Totenasche, was die Diskussion in Deutschland weiter befeuert.

Bundesbürger machen sich die Regelungen des europäischen Auslands (zum Beispiel Niederlande oder Schweiz) mitunter zunutze, indem sie Beisetzungen im Ausland veranlassen, wie sie in Deutschland nicht möglich sind (zum Beispiel Verstreuen der Asche in der freien Natur), oder sich im Ausland die Urne mit der Asche der Verstorbenen aushändigen lassen. Eine unbekannte Zahl von Urnen findet dann den Weg zurück nach Deutschland, wo diese zwar wieder dem Friedhofszwang unterliegen, aber entgegen den bestehenden Vorschriften von Angehörigen zuhause verwahrt oder außerhalb von Friedhöfen beigesetzt werden.

Fußnoten

  1. Zentralinstitut für Seprulkalkultur (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur: Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Teilband III Frankfurt: Fachhochschulverlag, 2010. - ISBN 978-3-940087-67-6 - S.166
  2. Artikel bei www.aeternitas.de: Friedhofszwang vor ungewisser Zukunft
  3. Zentralinstitut für Seprulkalkultur (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur: Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Teilband III Frankfurt: Fachhochschulverlag, 2010. - ISBN 978-3-940087-67-6 - S.167
  4. Zentralinstitut für Seprulkalkultur (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur: Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Teilband III Frankfurt: Fachhochschulverlag, 2010. - ISBN 978-3-940087-67-6 - S.167

Literatur

  1. Ritter, Falko/Keldenich, Christoph: Friedhofspflicht für Totenasche zeitgemäß? Zur Notwendigkeit einer Überprüfung der gegenwärtigen Rechtslage. Königswinter: Aeternitas, 2010.