Friedhof

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Begriff

Das Wort Friedhof leitet sich von dem Begriff „Freithof“ ab, was soviel heißt wie umfriedeter Platz. Die Bedeutung „Friede“ ist dem Wort erst später zugemessen worden.1 Friedhof ist die Bezeichnung für einen öffentlichen Begräbnisplatz. Juristisch wird er wie folgt definiert: „Ein Friedhof ist ein in den Örtlichkeiten räumlich abgegrenztes und eingefriedetes Grundstück (oder eine Mehrzahl solcher Grundstücke), das der Beisetzung der Leichen oder des Leichenbrands Verstorbener dient oder gedient hat.“2

Zweck und Funktion

Friedhöfe sind jedoch kulturelle Einrichtungen, die die Totenehrung und die Pflege des Andenkens der Toten ermöglichen und dienen auch dem Gesundheitsschutz, .3 Das Reichsgericht hat in einem Urteil vom 25.04.19384 den Zweck des Friedhofs wie folgt beschrieben: „Ermöglichung einer angemessenen und geordneten Leichenbestattung und in der dem pietätvollen Gedenken der Verstorbenen entsprechenden würdigen Ausgestaltung des der Totenbestattung gewidmeten Grundstücks”.5 Diese Definition wird auch in der aktuellen Rechtsprechung noch verwandt. Darüber hinaus findet man in einigen Bestattungsgesetzen der Länder Formulierungen, die dem weitgehend entsprechen.

Geschichte

Die ersten größeren Bestattungsplätze wurden - als eine Folge der Christianisierung - ab dem 4. Jahrhundert rund um die Kirchen errichtet ("Kirchhof"). So sollten und mussten die Verstorbenen möglichst nah bei den Reliquien ruhen. Die Größe der Kirchhöfe bemaß sich nach dem von Synoden beschlossenen Wirkkreis der Reliquien.6 Damit befanden sich die Bestattungsplätze inmitten der dörflichen Gemeinschaft. Im Mittelalter wurden Tote teilweise aus hygienischen Gründen, insbesondere auch wegen der immer wieder auftretenden Pest, außerhalb der dörflichen Gemeinschaft begraben. Die Reformation trug zu dieser Entwicklung bei, denn nach der protestantischen Lehre war es nicht geboten, die Toten in „geweihter Erde“ rund um Reliquien zu bestatten. Insbesondere der 30 jährige Krieg förderte diese Entwicklung weiter. Zur Zeit der Aufklärung gerieten die Gemeinschaftsgruben, in denen die Toten eher verscharrt bzw. in diese geworfen wurden, wiederum aus hygienischen Gründen in die Kritik. Dies führte erstmals zur Bepflanzung der Grabstätten, die gefährliche Ausdünstungen (Miasmen) verhindern sollte. Außerdem entwickelten sich die Reihengrabstätten, die dem Gleichheitsgedanken des aufgeklärten Bürgertums entsprachen.7

Fußnoten

  1. Zentralinstitut für Sepulkralkultur (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur: Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Teilband I Braunschweig: Thalacker Medien, 2002. - ISBN 3-87815-173-X - S. 89
  2. Bongartz, Thomas: Das aktuelle Praxishandbuch des Friedhofs- und Bestattungswesens: Konkrete Entscheidungshilfen für den Einzelfall und rechtssichere Erläuterungen. Band I Kissing: WEKA MEDIA GmbH & Co. KG, 27. Ergänzungslieferung Februar 2004, - ISBN 3-8276-7234-1 – Kapitel 5/5 S.1
  3. Bongartz, Thomas a.a.O.
  4. Urteil des Reichsgerichts vom 25.04.1938, Az. IV 7/38 abgedruckt in RGZ 157, S. 246 (255)
  5. vgl. BverwG 3 C 26.03 v. 13.05.2004 m.w.N.
  6. Zentralinstitut für Sepulkralkultur (Hrsg.) a.a.O. S. 89
  7. Zentralinstitut für Sepulkralkultur (Hrsg.) a.a.O. S. 90