Erbe

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Begriffe

Erben sind die Personen, auf die das Vermögen eines anderen Menschen mit dessen Tode übergeht (vgl. § 1922 BGB). Sind mehrere Erben vorhanden, so bilden sie eine Erbengemeinschaft, bestehend aus mehreren Miterben.

Erbfolge

Wer konkret die Erben sind, bestimmt sich entweder nach dem in bestimmter Form geäußerten Willen des Verstorbenen (gewillkürte Erbfolge) oder bei deren Fehlen nach der gesetzlichen Erbfolge.

gewillkürte Erbfolge

Diese muss in Form einer Verfügung von Todes wegen bestimmt sein, also entweder mittels eines Erbvertrags oder in einem Testament.

gesetzliche Erbfolge

Diese bestimmt sich nach den §§1924-1936 BGB und ist vom Gesetzgeber vorgesehen, dass der Erblasser von der Möglichkeit zur Bestimmung der Erbfolge durch eine Verfügung von Todes wegen keinen Gebrauch gemacht hat.

Verwandtenerbrecht

Grundlage des Verwandtenerbrechts ist das sogenannte Parentelsystem (von lat. Parens = Eltern). Es wird nach bestimmten Parentelen, was dem deutschen Gesetzesbegriff Ordnung entspricht, vererbt. Zu einer Ordnung gehören die Personen die alle von einer bestimmten Person bzw. einer von zwei Personen abstammen und diese Personen selbst: 1. Ordnung (§ 1924 BGB) Alle Abkömmlinge des Erblassers, das heißt jeder vom Erblasser abstammende: Kinder, Enkel, Urenkel usw. 2. Ordnung (§ 1925 BGB) Dies sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge also Geschwister, Neffen und Nicht und deren Nachfahren. 3. Ordnung (§ 1926 BGB) Diese bildet sich aus den Großeltern des Verstorbenen und deren Abkömmlingen. 4. Ordnung (§ 1928 BGB) Diese setzt sich aus den Urgroßeltern und deren Abkömmlingen zusammen. 5. Fernere Ordnungen Dieses System wird auf die nächsten Voreltern übertragen, das heißt solange kein Abkömmling eines Vorelternpaares mehr vorhanden ist, wird auf deren Voreltern und Abkömmlinge abgestellt usw.

Die Verwandten einer vorhergehenden Ordnung schließen die einer nachgehenden Ordnung aus (§ 1930 BGB).

Innerhalb der Ordnungen gilt bei mehreren vorhandenen Erben das Linearsystem und die Erbfolge nach Stämmen entsprechend der Regelung in §§ 1924 II, III. Das bedeutet, dass ein Abkömmling der noch lebt seine Abkömmlinge vom Erbe ausschließt und den entsprechenden Anteil alleine bekommt, ist ein Abkömmling verstorben, erben wiederum dessen Abkömmlinge zu gleichen Teilen (entsprechend § 1924 IV). Hatte ein Erblasser z.B. drei Kinder von denen eines verstorben ist und selbst zwei Kinder hatte, die noch leben, so würden die beiden Kinder 1/3 Erben, die beiden Enkelkinder (Kinder des Verstorbenen Geschwisterkindes) je 1/6 erhalten. Ab der zweiten Ordnung kommt zu diesem System noch die Vererbung nach väterlichen und mütterlichen Linien hinzu, das heißt, wenn ein Elternteil, der an sich zum Erben berufen wäre verstorben ist und keine Abkömmlinge dieses Elternteils vorhanden sind, der andere Elternteil auch seinen Erbanteil noch bekommt.

Ab der vierten Ordnung (Großeltern und deren Abkömmlinge) gelten Linearsystem und das eintrittsrecht nach Stämmen nicht mehr. Es erben die noch vorhandenen Urgroßeltern zu gleichen Teilen. Solange noch ein Urgroßelternteil lebt, werden alle Abkömmlinge der anderen Urgroßeltern ausgeschlossen. Sind alle Urgroßeltern verstorben, wird auf das sogenannte Gradualsystem übergegangen, d.h. es erbt derjenige bzw. erben diejenigen alles, die dem Verstorbenen dem Grade nach am engsten miteinander verwandt sind. Dies bestimmt sich anhand der Zahl der Geburten, die die Verwandten mit dem Verstorbenen vermitteln (§ 1589 I 2 BGB). Z.B. Geschwister sind im zweiten Grad verwandt (vermittelnde Geburten die eigene und die des Geschwisterkindes), ein Neffe und sein Onkel im dritten Grad (vermittelnde Geburten: die des Neffen, des Vaters des Neffen und die des Onkels).

Ehegattenerbrecht

Neben dem Verwandtenerbrecht besteht das Erbrecht des Ehegatten. Neben den Verwandten erster Ordnung erbt er zu ¼, neben verwandten der zweiten Ordnung zu ½ , neben Großeltern bekommt er den Anteil der einem Verstorebenen Großelternteil bzw. dessen Abkömmlingen zukommen würde zu dem ½ Anteil noch hinzu (§ 1931 BGB). Sind weder Erben der ersten Ordnung noch der zweiten noch Großeltern vorhanden, erbt der Ehegatte allein.

Je nach Güterstand kommt noch ein weiterer Anspruch hinzu, so erhöht sich z.B. gemäß § 1371 I BGB im Falle der Zugewinngemeinschaft der Erbteil des Ehegatten neben den Kindern praktisch um ¼ durch den pauschalierten Zugewinnausgleich.